Geschichte der SGG 

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Erster Versuch im Zuge vom Aufstieg von Gelehrten Gesellschaften

Im Zuge der Aufklärung, der Diversifizierung der Wissenschaft und der Öffnung des Bildungswesens für das Bürgertum wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Schweiz zahlreiche sogenannte Gelehrte Gesellschaften gegründet. Diese boten ihren Mitgliedern die Möglichkeit, sich ausserhalb der Akademien und Universitäten zu vernetzen und ihr Wissen zu vertiefen. Sie widmeten sich den damals entstehenden Disziplinen, insbesondere der Geschichte.

Im Jahr 1811 rief der Berner Schultheiss Niklaus Friedrich von Mülinen eine erste Schweizerische Geschichtsforschende Gesellschaft ins Leben. Die Gesellschaft überlebte den Tod ihres Gründers im Jahr 1831 allerdings nicht, unter anderem weil es ihr nicht gelang, Mitglieder ausserhalb des Kantons Bern zu gewinnen.

Die Entfaltung kantonaler Historischer Gesellschaften

Während der Regeneration blieb das Zugehörigkeitsgefühl noch stärker an die Kantone gebunden als an eine stark gespaltene und durch den wenig verbindlichen Bundesvertrag nur schwach strukturierte Eidgenossenschaft. Daher entwickelten sich zwischen 1830 und 1840 historische Vereine vor allem auf kantonaler Ebene.

Allerdings wurde innerhalb dieser Vereine regelmässig die Forderung laut, eine überkantonale Geschichtsgesellschaft zu gründen. Damit sollte eine Ergänzung auf nationaler Ebene geschaffen werden.

Die Gründung der Allgemeinen Geschichtforschenden Gesellschaft der Schweiz (AGGS)

Nach der positiven Rückmeldung verschiedener kantonaler Vereine führte das Vorhaben des Appenzellers Johann Caspar Zellweger, die Gesellschaft von 1811 neu zu gründen und dabei ihren nationalen Charakter zu bekräftigen, 1841 zur Gründung der Allgemeinen Geschichtforschenden Gesellschaft der Schweiz (AGGS), der Vorläuferin der heutigen Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte (SGG).

Die AGGS hatte zum Ziel, eine nationale Austauschplattform für Historiker zu bieten, die häufig nebenamtlich und auf eigene Faust forschten. Die AGGS sollte somit die Erforschung der Schweizer Geschichte im weitesten Sinne fördern und die Publikation von Quellen koordinieren. Der Schwerpunkt ihres Wirkens lag daher neben der nationalen Vernetzung durch alle zwei Jahre stattfindende Versammlungen in der Veröffentlichung von Quellenverzeichnissen, Korrespondenzen und Editionsversammlungen.

Bei ihrer ersten Generalversammlung in Bern im September 1841 zählte die AGGS 208 Mitglieder, verlangte einen Jahresbeitrag von 4 Franken, verfügte über einen fünfköpfigen Vorstand und eine Publikationskommission. Ab 1843 gab sie die Zeitschrift Archiv für Schweizerische Geschichte heraus. Die Zeitschrift publizierte auf der Grundlage von Quellen Aufsätze, Nachdrucke oder Inventare, welche die in den einzelnen Kantonen durchgeführten Arbeiten zusammenfassten.

Die AGGS erklärte sich offen für alle Geschichtsinteressierte, unabhängig von ihrer politischen Meinung. Trotz ihres vorrangig wissenschaftlichen Charakters und der Bekräftigung ihrer politischen Neutralität führte der angespannte Kontext der 1840er-Jahre dazu, dass sich ihre Aktivitäten hauptsächlich auf die Veröffentlichung von Dokumenten und weniger auf die Organisation von Konferenzen konzentrierten. So traf sich die AGGS zwar 1843 in Basel und 1845 in Zürich, doch die für 1847 in Luzern geplante Versammlung wurde wegen des Sonderbundkrieges abgesagt. Ab 1850 fanden die Versammlungen jährlich statt.

Der publizistische Aufschwung der AGGS

1855 wurde zusätzlich zum Archiv für schweizerische Geschichte eine Zeitschrift mit einer höheren Erscheinungsfrequenz herausgegeben, die sich stärker auf die breite Öffentlichkeit richtete. Der Anzeiger für schweizerische Geschichte und Alterthumskunde spaltete sich später im Zuge der Autonomisierung der Archäologie auf. Ab 1870 trug er daher den Namen Anzeiger für schweizerische Geschichte.

Das Archiv für schweizerische Geschichte endete 1875/76 und wurde durch eine neue jährliche Publikation abgelöst, die sich ausschliesslich der Veröffentlichung von Aufsätzen widmete: das Jahrbuch für schweizerische Geschichte. Die Edition von Quellen wurde nun vollständig von einer gleichzeitig ins Leben gerufenen neuen Reihe übernommen, den Quellen zur Schweizer Geschichte, die zwischen 1877 und 1906 fast durchgehend einen Band pro Jahr veröffentlichten. Eine neue Folge wurde 1908 lanciert.

Die umfangreiche Editionsarbeit wurde auch dank spezifischer, mit Bundesmitteln geförderten Projekte fortgesetzt. Im Kontext der Zwischenkriegszeit und angesichts der Gefahr des Pangermanismus initiierte die AGGS beispielsweise 1933 die Herausgabe des Quellenwerks zur Entstehung der schweizerischen Eidgenossenschaft.

In der Zwischenkriegszeit wurden auch die beiden von der AGGS herausgegebenen Zeitschriften zu einer einzigen zusammengelegt, woraus 1921 die Zeitschrift für schweizerische Geschichte hervorging.

Während die Mitgliederzahl der Gesellschaft im 19. Jahrhundert sehr stabil blieb (208 im Jahr 1841, 210 im Jahr 1891), begann sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu steigen. Der Vorstand wollte die AGGS nicht nur Fachleuten einer nun auf universitärer Ebene institutionalisierten Geschichtswissenschaft öffnen, sondern auch allen anderen interessierten Personen. Im Jahr 1919 zählte die AGGS 326 Mitglieder, und 1941, inmitten des Zweiten Weltkriegs, zählte sie anlässlich des hundertjährigen Vereinsjubiläums 559 Mitglieder.

Internationale Ausrichtung und nationale Abstimmung

Bereits 1926 waren zwei AGGS-Vorstandsmitglieder zur Gründung des Comité international des sciences historiques (CISH) in Genf delegiert worden. Die AGGS war damit eines der Gründungsmitglieder des CISH. Ab 1945 initiierte die AGGS mit Unterstützung des Vereinigung der Schweizerischen Hochschuldozierenden die Schaffung der Schweizerische Geisteswissenschaftliche Gesellschaft – die 1985 zur Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften wurde. Als Dachorganisation für die verschiedenen Fachverbände sollte die Schweizerische Geisteswissenschaftliche Gesellschaft die internationale Einbindung der Schweizer Geistes- und Sozialwissenschaften vorantreiben und die Interessen der verschiedenen Fachverbände auf Bundesebene vertreten.

Diese internationale Ausrichtung spiegelte sich auch in der Umbenennung der Zeitschrift für schweizerische Geschichte wider, die ab 1951 zur Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte wurde. Ziel war es, die Reichweite der publizierten Untersuchungen zu erhöhen, da diese oft weit über die Lokalgeschichte hinausgingen, indem die Bedeutung globaler Phänomene in der Schweiz aufgezeigt und mit Forschungen aus anderen Ländern verbunden wurden. Bis in die 1970er-Jahre blieb der wichtigste Tätigkeitsbereich der Gesellschaft somit vor allem der publizistische. Die SZG wurde durch einen Rezensionsteil ergänzt, und die AGGS veröffentlichte darüber hinaus Einzelstudien, ausgewählte Quellensammlungen sowie eine Beilage zur SZG, die zwischen 1952 und 1976 erschien.

Innerhalb des Gesellschaftsrats wurden zudem Kommissionen eingerichtet, um den Austausch mit verschiedenen Partnern zu steuern. Eine wissenschaftliche Kommission war für die Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem 1952 gegründeten Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) zuständig. Eine Arbeitsgemeinschaft organisierte ihrerseits Treffen zwischen Historikerinnen und Historikern, um wissenschaftliche Themen und Forschungsmethoden zu diskutieren. Zudem wurde eine juristische Kommission eingerichtet, um neue Statuten auszuarbeiten, die 1953 verabschiedet wurden und die Dauer der Mandate im Gesellschaftsrat auf drei Jahre festlegten.

Vernetzung und Interessenvertretung

In den 1960er-Jahren wollte sich die AGGS über ihre wissenschaftliche Veröffentlichungstätigkeit (beispielsweise Monografien zur Schweizer Geschichte bei Francke ab 1965) auch als Vertreterin des Fachgebiets profilieren, um die Interessen der historischen Gemeinschaft besser nach aussen zu vertreten und die Bedingungen für das Schweizer Archivwesen sowie den Archivzugang zu verbessern.

1961 wurde die Arbeitsgemeinschaft durch ein erstes wissenschaftliches Kolloquium ersetzt, an dem Forschende eingeladen wurden, sich über ein bestimmtes Thema und aktuelle Veröffentlichungen auszutauschen. Die wissenschaftliche Kommission wurde 1963 abgeschafft, und die Statuten ermöglichten fortan die Bildung von Sonderkommissionen, die mit der Begleitung wissenschaftspolitischer Themen betraut waren.

Anlässlich des 125-jährigen Vereinsjubiläums im Jahr 1966 wurde mit 776 Mitgliedern einen Anstieg der Zahl der Nachwuchsforschende verzeichnet. Die AGGS bemühte sich, diesen Nachwuchs zu fördern, indem sie ab den 1970er-Jahren einen jährlichen Universitätstag organisierte, an dem junge Forscher:innen ihre Arbeiten vorstellen konnten. Diese Schweizer Hochschultage ergänzten die ebenfalls von der AGGS organisierten Schweizerischen Historikertage sowie die jährlich stattfindenden Ausflüge, die abwechselnd bei den verschiedenen kantonalen Geschichtsgesellschaften stattfanden.

1972 spielte die AGGS eine wichtige Rolle bei der Gründung der Forschungsstelle für die Diplomatischen Dokumente der Schweiz (Dodis). Die Forschungsstelle für die Geschichte der Schweizer Aussenpolitik steht auch heute noch unter dem Patronat der SGG.

Der seit 1966 bestehende Wunsch, das Historisch-Biografische Lexikon der Schweiz zu ergänzen und zu überarbeiten, nahm ab 1987 konkrete Gestalt an. Mit Unterstützung der SAGW gründete die AGGS ein Gremium, das mit der Erstellung einer umfassenden Enzyklopädie der Schweizer Geschichte betraut wurde. So wurde 1988 die Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz gegründet, und die Redaktion nahm ihre Arbeit 1992 auf.

Neuerfindung zur Jahrtausendwende

Um das Fach Geschichte in seiner ganzen Vielfalt zu fördern und alle Bereiche der Geschichtswissenschaft abzudecken, baute die AGGS ihr Publikationsangebot aus und stellte ihre Dienste verwandten Vereinen zur Verfügung. So gründete sie einerseits 1985 die Reihe Itinera. Diese Beilage zur SZG hat zum Ziel, den verschiedene Tendenzen des Fachgebiets eine Plattform zu bieten. Im Gegensatz zur SZG, die einzelne Forschungsartikel und Rezensionen veröffentlicht, werden in der Reihe Itinera thematische Hefte publiziert.

Zudem nahm die AGGS Sektionen auf, um den Austausch zu innerhalb der Community zu verbessern. So wurde die Schweizerische Gesellschaft für Militärgeschichte (SVMM)bereits 1978 zu einer Sektion, gefolgt von Helvetia Sacra im Jahr 1981 und dem Verein Geschichte und Informatik (G&I), der ab 1994 die Digitalisierungsprozesse in den Geisteswissenschaften begleitete.

Dieser digitale Umbruch wurde von der Gesellschaft aufgegriffen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts musste sich die AGGS an die Entwicklungen in der Forschung anpassen und ihre Einbettung in die Zivilgesellschaft vertiefen.

Die AGGS wird zur SGG

1997 wurde daher eine Reformkommission ins Leben gerufen, deren grundlegendes Projekt einer Neustrukturierung der Gesellschaft bereits 1998 von einer Mehrheit der Mitglieder gutgeheissen wurde. Nach einstimmiger Genehmigung der neuen Statuten durch die Generalversammlung wurde die Allgemeine Geschichtforschende Gesellschaft der Schweiz (AGGS) am 7. April 2001 offiziell zur Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte (SGG).

Der Grundgedanke der neuen Statuten bestand darin, die Vereinsorganisation transparenter zu gestalten und die Gesellschaft nicht nur auf ihre wissenschaftlichen Ziele, sondern auch auf ihre gesellschaftliche Rolle auszurichten – dies nicht zuletzt als Reaktion auf die tiefgreifenden Veränderungen in der Schweizer Wissenschaftspolitik. Damit öffnete sich die SGG auch stärker für Berufsgruppen ausserhalb des universitären Umfelds sowie für alle Geschichtsinteressierten.

Als Vertreterin aller Dimensionen des Faches diversifizierte und erweiterte die SGG ihre Aktivitäten, indem sie alle Berufsvertreter:innen einlud, sich in den verschiedenen Abteilungen der Gesellschaft mit den Themen zu befassen, die ihnen persönlich wichtig waren.

Mit einem zunehmend professionalisierten Generalsekretariat und einem Gesellschaftsrat, der die Arbeit von fünf Abteilungen koordinierte – Wissenschaftspolitik und internationale Beziehungen, Berufsinteressen, Kommunikation und Internet, Veranstaltungen, Grundlagenforschung mit ihrer Publikationskommission – festigte die SGG ihre Präsenz durch den Launch ihrer ersten Webseite am 26. Oktober 2002 sowie durch die Organisation eines ersten Schweizer Geschichtstages in Fribourg im Februar 2003.

Die Gesellschaft nahm weiterhin Sektionen auf und veröffentlichte ab 2003 ein Leitfaden für freischaffende Historikerinnen und Historiker, gefolgt von einem Ethikkodex im Jahr 2004. Sie verfasste zudem mehrere politische Stellungnahmen zum Thema Archivzugang, Wissenschaftspolitik oder Digitalisierung von Forschungsergebnissen.

Im Jahr 2004 leitete die SGG die Vorbereitungen für ein «webbasiertes Informationssystem» ein. Der Auftrag von infoclio.ch ist, die Sichtbarkeit der historischen Forschung der Schweiz im Internet zu stärken, fachübergreifende wissenschaftliche Kommunikationsformen zu entwickeln sowie Innovationen anzuregen und zu begleiten, die sich aus der Digitalisierung der Geschichtswissenschaften ergeben.

2007 organisierte die SGG erstmals einer mehrtägigen Tagung, die Ersten Schweizerischen Geschichtstage, zu denen sich damals 521 Teilnehmende in Bern einfanden und die 41 Panels umfassten. Diese Veranstaltung etablierte sich rasch als Dreh- und Angelpunkt der Geschichtswissenschaft in der Schweiz. Die folgenden Ausgaben verdeutlichen die Bedeutung der Geschichtstage: 760 Teilnehmende in Basel im Jahr 2010 (66 Panels), 800 in Freiburg im Jahr 2013 (90 Panels), 900 in Lausanne im Jahr 2016 (100 Panels), 800 in Zürich im Jahr 2019 (70 Panels), 700 in Genf im Jahr 2022 (80 Panels) und 760 in Luzern im Jahr 2025 (87 Panels).

Seit den 2010er-Jahren wird die Vernetzung von Historiker:innen auf vielfältige Weise gefördert. Die seit 2008 vorgenommene Digitalisierung der Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte und das Patronat des im selben Jahr online gestellten Portals infoclio.ch ermöglichten einen verbesserten Zugang zu den Publikationen und verschiedenen Projekten aus dem Bereich der Geschichtswissenschaft. Die Beilagen zur Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte, die seit 1985 unter dem Namen Itinera erscheinen, wurden ebenfalls mit einem neuen grafischen Layout aufgefrischt.

Diese Entwicklung sowie der Ausbau des professionellen Generalsekretariats ist eines der Ergebnisse der Statutenrevision von 2014, die die Effizienz und Sichtbarkeit der SGG stärkte. Dies zeigt sich insbesondere in der Fähigkeit der 2020 als gemeinnützig anerkannten Gesellschaft, Projekte in verschiedene Richtungen zu lancieren, beispielsweise durch die Gründung einer parlamentarischen Gruppe «Geschichte», bestehend aus Mitgliedern des National- und Ständerats, durch die Vergabe des Preises «lapis animosus» für die Freiheit der Forschung, der Kampagne «Geschichte studieren. Die eigene Geschichte schreiben» und durch die Beratung von Institutionen, Gemeinden und Unternehmen, die historische Forschungsaufträge vergeben möchten.

Quellen zur AGGS und SGG

Die Dossiers der AGGS und der SGG sind in Beständen zusammengestellt, die im Schweizerischen Bundesarchiv unter den Signaturen J2.127* und J2.326* zugänglich sind. Es gelten die üblichen Nutzungsbedingungen. Anträge auf Einsichtnahme in Dokumente, die einer Sperrfrist unterliegen, werden liberal behandelt.

Die Schweizerische Gesellschaft für Geschichte wird 2041 ihr 200-jähriges Jubiläum feiern.

Mitglieder

Bei ihrer Gründung im Jahr 1841 zählte die AGGS 208 Mitglieder; diese Zahl stieg in den folgenden 180 Jahren mehr oder weniger stetig an.

Bei einer Umfrage im Jahr 1840 hatten sich 150 Personen bereit erklärt, der Gesellschaft beizutreten, und bei der Gründungsversammlung 1841 wurden 208 Mitglieder registriert.

Im Jahr 1896 zählte die AGGS 259 Mitglieder, und 1919 wurde die Zahl von 300 überschritten. Nach einem Anstieg auf 667 Mitglieder im Jahr 1932 ging die Mitgliederzahl zurück und stabilisierte sich 1945 bei etwa 500 Mitgliedern.

Im Anschluss daran stiegen die Zahlen wieder an, mit 712 Mitgliedern nach der Annahme der neuen Statuten und etwa 800 in den 1960er- und 1970er-Jahren.

Bei der Umbenennung des Vereins lag die Mitgliederzahl bei etwa 1350. Seit 2019 verzeichnet der Verein einen stetigen Anstieg der Mitgliederzahlen, die sich im Jahr 2026 auf rund 1840 belaufen. Die SGG trotzt damit dem allgemeinen Vereinssterben in der Schweiz und ist die einzige nationale Fachgesellschaft mit steigenden Mitgliederzahlen.

Die Vorgängerorganisation der SGG, die Allgemeine Geschichtforschende Gesellschaft der Schweiz (AGGS), wurde 1841 gegründet. Sie verstand sich als nationale Ergänzung zu den kantonalen historischen Vereinen. Die AGGS sah in der Herausgabe von Editionen ihr Hauptaufgabengebiet. Im Laufe ihres Fortbestehens publizierte sie verschiedene Schriften. Namentlich zu nennen sind der Anzeiger für schweizerische Geschichte und Altertumskunde (ASG), 1855–68, der Anzeiger für schweizerische Geschichte (ASG), NF 1870–1920, Jahrbuch für schweizerische Geschichte (JSG), 1876–1920, die Quellen zur Schweizer Geschichte (QSG), 1877–1907; NF 1908–, das Quellenwerk zur Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft: Urkunden, Chroniken, Hofrechte, Rödel und Jahrzeitbücher bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts (QW), 1933–, die Zeitschrift für schweizerische Geschichte (ZSG), 1921–50, deren Nachfolgezeitschrift die Schweizerische Zeitschrift für Geschichte (SZG), 1951– sowie deren Beiheft Itinera 1985–.

Ab den 1970er-Jahren begann die AGGS ihr Tätigkeitsfeld zu verbreitern. Die Gesellschaft organisierte ab 1973 Historiker- und ab 1974 Universitätentage. Die Statutenrevision von 1977 erlaubte es, dass der Gesellschaft neu spezialisierte gesamtschweizerische Fachorganisationen als Sektionen beitreten konnten. 

1972 war die AGGS federführend bei der Gründung der Forschungsstelle der Diplomatischen Dokumente der Schweiz (DDS) beteiligt. Das Kompetenzzentrum für die Geschichte der Schweizer Aussenpolitik steht bis heute unter dem Patronat der SGG. 

Ein weiterer Meilenstein für die Schweizer Geschichtswissenschaften erreichte die AGGS 1988 zusammen mit der heutigen SAGW: die Gründung des Historischen Lexikon der Schweiz (HLS)

Die SGG lancierte 2004 die Vorbereitungen eines «webbasierten Informationssystem[s]». Das digitale Portal infoclio.ch sollte der langfristigen Aufbereitung und Sicherung von Daten und der Vermittlung von historischem Wissen dienen. Vier Jahre später nahm die Plattform ihren Betrieb auf. 

Mit der Statutenrevision von 2001 öffnete sich die SGG für Berufsgattungen ausserhalb des universitären Umfeldes sowie für Geschichtsinteressierte im Allgemeinen. Damit einher ging nicht zuletzt der Namenswechsel zur heutigen SGG, der diese Neuorientierung auch sprachlich zum Ausdruck brachte.

2007 organisierte die Gesellschaft erstmals die fortan dreijährlich an jeweils wechselnden Austragungsorten stattfindenden Geschichtstage.

Zwei bis heute als Schlüsseldokumente für die Schweizer Geschichtswissenschaften geltende Texte wurden von der Abteilung Berufsinteressen erarbeitet und im Jahr 2008 veröffentlicht: der Leitfaden für Freiberufliche und der Ethikkodex.

Während die AGGS bei ihrer Gründung 1841 208 Mitglieder verzeichnete, stieg ihre Mitgliederzahl in den nächsten 180 Jahren mehr oder wenig kontinuierlich an (1891: 210, 1918: 298, 1932: 667, 1968: 852, 1995: 1573, 2006: 1300, 2022: 1700, 2025: 1800). Damit einher ging eine Professionalisierung der Geschäftsstelle seit Anfang der 2000er-Jahre.

Die SGG ist zudem Gründungsmitglied des Comité international des sciences historiques (CISH). Das 1926 ins Leben gerufene CISH vernetzt die historischen Fachvereinigungen von 52 Ländern sowie internationale Gesellschaften, die zu einem historischen Teilgebiet arbeiten. 

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