Basel 2010

Zweite Schweizerische Geschichtstage

Grenzen | Universität Basel

Vom 4. bis 6. Februar 2010 wurden die Zweiten Schweizerischen Geschichtstage von der SGG in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Universität Basel organisiert.

Vom 4. bis 6. Februar 2010, 3 Tage im Zeichen «Grenzen»

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Impressionen der Zweiten Schweizerischen Geschichtstage


Dokumentation

Call for Panels

Drei Jahre nach der erfolgreichen ersten Durchführung der Schweizerischen Geschichtstage organisiert die Schweizerische Gesellschaft für Geschichte (SGG) zusammen mit dem Historischen Seminar Basel im Februar 2010 die Zweiten Schweizerischen Geschichtstage. Wie 2007 soll erneut ein grosser Kreis von Fachhistorikerinnen und –historikern, GeschichtslehrerInnen und Geschichtsstudierenden sowie Geschichtsinteressierten aus der Schweiz und dem Ausland angesprochen werden.

Das Tagungsthema «Grenzen»

Das Thema «Grenzen» liegt angesichts des aktuellen Wandels in den europäischen Binnen- und Aussengrenzen ebenso nahe wie mit Blick auf die in der Geschichtswissenschaft schon seit längerem intensiv diskutierten Prozesse von Integration und Ausgrenzung, und der grundlegenden Bedeutung von Räumen im Zuge des spacial turn. Auch der Veranstaltungsort Basel steht für dieses Thema – durch seine geographische Lage am „Dreiländereck“ ebenso wie durch die Bedeutung, die ihm die Universität Basel in ihrer strategischen Planung zuweist: Der Themenblock «Grundlagen und Grenzen Europas» ist einer der drei Teilbereiche des universitären Makroschwerpunktes «Kultur».

Mit der Aufnahme des Themas «Grenzen» für die Zweiten Schweizerischen Geschichtstage lädt die SGG zum Einreichen von Panel-Vorschlägen für alle historischen Zeiträume und für die verschiedenen thematischen, methodischen und konzeptuellen Betrachtungsweisen ein. «Grenze» soll dabei in erster Linie als Wahrnehmungskategorie verstanden werden, die das Spannungsverhältnis zwischen Grenzziehung und Entgrenzung ebenso umfassen kann, wie Grenzüberschreitungen und Transgressionen im physischen wie im metaphysischen Sinn.

Politische Räume, historische Konstruktionen und kulturelle Identitäten

Grenzen scheinen derzeit ihre Bedeutung zu verlieren, überregionale und internationale Beziehungen, transnationale Prozesse und globale Strukturen prägen zunehmend die Wirtschafts-, Kommunikations- und Denkstrukturen. Dabei geraten aber interessanterweise gerade Grenzen vermehrt in den Blickwinkel politischer Auseinandersetzungen und geschichtswissenschaftlicher Reflexion. Und dies nicht nur im Blick auf die Etablierung und Verfestigung nationaler Grenzen seit dem 19. Jahrhundert, das Zeiträume mit einem anderen Verständnis von Pass(age) und Grenze ablöste: etwa die Zollgrenze an Brücken und Passstrassen, die das Konzept der Grenze als lückenlose Grenz-Linie infrage stellt. Grenzen können einerseits zwar trennen und beschränken, andererseits aber auch Schutz oder Orientierung bieten. Insofern geht die Betrachtung von politischen Grenzen auch über die politik- und wirtschaftsgeschichtliche Dimension hinaus zu einer kulturgeschichtlichen Dimension – etwa dort, wo es um Markierungen und Identifizierungen von Personen(-gruppen) geht, die von den Grenzen ein- bzw. ausgeschlossen werden (sollen), aber auch solche, die gezwungenermassen oder bewusst als «Grenzgänger» oder gar als «Nomaden» agier(t)en und damit die Durchlässigkeit der Grenzziehung auf die Probe stell(t)en.

Globale Grenzen

Die Aufhebung der Wirtschafts- und Zollgrenzen, das zunehmende Bewusstsein von Globalität und internationaler Verbindung bedeutet nicht das Ende der Grenzen, es setzt vielmehr ambivalente neue Prozesse der Grenzziehung in Gang, in denen intellektuelle Konstruktionen, historische Begründungen und Legitimationen von Grenzen sichtbar werden, sei es in der Debatte um die «Grenzen Europas», in der Verfestigung und «Verteidigung» europäischer Grenzen gegenüber Afrika in Italien, Griechenland und Spanien oder der heftig diskutierten Ziehung von «Kreisen» als Demarkationslinien zwischen erwünschten und unerwünschten «Einwandererstaaten» in der Schweiz.

Um ganz andere Grenzüberschreitungen in einer globalisierten Welt handelt es sich bei der Ausbreitung von Krankheiten wie SARS oder BSE: Krankheitserreger, die nicht nur Ländergrenzen sondern auch Artengrenzen überwinden und ihrerseits mit grenz- und disziplinenüberschreitender Wissenschaft erforscht werden. In der öffentlichen Auseinandersetzung werden historische Bezüge zum Verständnis und zur Betonung der Gefährdung herangezogen – wie etwa der Hinweis auf die Spanische Grippe zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Diese «Grenzüberschreitungen» bieten Anlass zu einer grundlegenden Auseinandersetzung mit gesellschaftlich konzipierten Grenzen – und deren Überwinden durch Viren, Bakterien und Prionen.

Geographische Räume, Karten und Wege

Die Vorstellung, dass Berge, Täler oder Flussläufe «natürliche Grenzen» darstellen, wurde bereits von Lucien Febvre in den 1930er Jahren hinterfragt. Neuere Untersuchungen – etwa zur Geschichte des Rheins als Grenzfluss – verdeutlichen das Verständnis von Grenzen als «gemachte Gebilde», zeigt sich doch, dass je nach politischer Situation die Funktion als Abgrenzung oder diejenige als Verkehrs- und Verbindungsweg von grösserer Bedeutung ist.

Das als spacial turn bezeichnete Interesse an Räumen und Raumvorstellungen hat zusammen mit den digitalen Erfassungs- und Erschliessungsmitteln neue Möglichkeiten zur Darstellung von Raum und Zeit in Karten geschaffen. Sie eröffnen neue Forschungen, lassen aber auch die «alte» Frage nach der Rolle von Karten und von Kartographie als Machtfaktor in einem neuen Licht erscheinen.

Lebensräume, Soziale Mobilität, Geschlechtergrenzen

In Prozessen von Grenzziehung, Grenzüberschreitung und Entgrenzung sind Differenzkategorien wie Schicht, Geschlecht, Stand, Religion, Konfession, Kaste, Ethnie oder «Rasse» von entscheidender Bedeutung. Verletzung und Neudefinition von Rollennormen und Rollenerwartungen können im Zusammenhang mit Grenzziehungsprozessen und als Grenzerfahrungen gefasst werden. Grenzen halten Verschiedenheit, aber auch Ungleichheit fest in so unterschiedlichen Bereichen wie (Stadt-)Raumgestaltung, Wohnen, Ernährung, Lebenserwartung, Gesundheitsvorstellungen. Wie und wann wurde z.B. die vermeintlich «natürliche» Geschlechtergrenze im historischen Verlauf konstituiert, definiert und schliesslich auch hinterfragt – theoretisch, in postmodernen queeren Orientierungen ebenso wie in alltäglichen Handlungen einzelner Akteurinnen und Akteure? Wie wurden und werden soziale Grenzen markiert – etwa diejenige zwischen Herr/in und Sklave/Sklavin in antiken oder kolonialen Sklavenhaltergesellschaften, aber auch die zwischen Reichen und Armen, Gebildeten und Ungebildeten, «Etablierten» und «Aussenseitern»? Und wie konnten solche Grenzen überwunden, wie aufrechterhalten werden? Welche Voraussetzungen und Folgen hat soziale Mobilität, und wie ist sie mit räumlicher Mobilität verbunden?

Konzeptionelle Grenz(ziehung)en:

Schliesslich ist das wissenschaftliche Denken über Grenzen selbst zu hinterfragen, sei dies bezüglich der Grenzen der Geschichte als wissenschaftlicher Disziplin, aber auch der in ihr wirksamen Grenzen – so etwa die Epochengrenzen und ihre Voraussetzungen und Folgen, aber auch die «Datumsgrenzen», die auf die Dimension von Zeit und deren historische und kulturelle Be-Messung und Begründung verweisen. Daneben ist an weitere Grenzziehungen zu denken, die mit den Gegenständen historischer Forschung verbunden sind – etwa die zwischen «Natur(-wissenschaft)» und «Kultur(-wissenschaft)», zwischen Mensch, Tier und Umwelt, zwischen «Diesseits» und «Jenseits», zwischen Religion, Magie und Wissenschaft.

Reporting, videos und interviews

Unser Partner infoclio.ch bietet eine Seite zu den Zweiten Schweizerischen Geschichtstagen an, uf der die Aufzeichnungen der Eröffnungsfeier und der Keynotes, Interviews sowie Berichte einiger Panels zu finden sind.

Sponsors, Förderer und Partner der Zweiten SGT

  • Universität Basel
  • Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)
  • Schweizerische Nationalfonds (SNF)
  • Freiwillige Akademische Gesellschaft
  • Schwabe

Tagungsorganisation

Die zweiten Schweizerischen Geschichtstage werden organisiert von der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte (SGG) und dem Historischen Seminar der Universität Basel.

Gruppe Geschichtstage des Historischen Seminars Basel

  • Prof. Dr. Susanna Burghartz
  • Prof. Dr. Martin Lengwiler
  • Prof. Dr. Claudia Opitz
  • Prof. Dr. Regina Wecker
  • Dr. Olivia Hochstrasser
  • Dr. Anja Rathmann-Lutz
  • Dr. des. Francesca Falk

Schweizerische Gesellschaft für Geschichte

  • Prof. Dr. Regina Wecker, Präsidentin
  • Dr. Catherine Bosshart-Pfluger, Leiterin der Abteilung Tagungen
  • Dr. Erika Flückiger, Generalsekretärin
  • lic. phil. Mario Caviezel, Assistenz

Tagungsbüro

  • lic. phil. Peppina Beeli, Koordinatorin
  • stud. phil. Daniela Nowakowski, Hilfsassistenz