Fribourg 2013
Dritte Schweizerische Geschichtstage
Global–Lokal | Universität Fribourg

Vom 7. bis 9. Februar 2013 wurden die Dritten Schweizerischen Geschichtstage von der SGG in Zusammenarbeit mit dem Departement für Historischen Wissenschaften der Universität Freiburg organisiert.
Die Tagung fand im Gebäude Miséricorde der Universität Freiburg statt und bot Panels, Keynotes sowie Podien zum Thema «Global–Lokal».
Vom 7. bis 9. Februar 2013, 3 Tage im Zeichen «Global–Lokal»

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Impressionen der Dritten Schweizerischen Geschichtstage
Dokumentation
Call for Panels

Die Dritten Schweizerischen Geschichtstage finden im Februar 2013 in Freiburg / Fribourg statt. Sie werden vom Departement für Historische Wissenschaften der Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte organisiert und sie schliessen an die bereits erfolgreich durchgeführten Geschichtstage in Bern (2007) und in Basel (2010) an. Erneut soll ein grosser Kreis von Fachhistorikerinnen und -historikern, Geschichtslehrerinnen und -lehrern, Geschichtsstudierenden sowie Geschichtsinteressierten aus der Schweiz und dem Ausland angesprochen werden.
Das Tagungsthema: «global – lokal»
Die Dritten Schweizerischen Geschichtstage thematisieren Lebensentwürfe, Gesellschaftsordnungen, Strukturen, Prozesse und Episteme, die sich sowohl im nahen Umfeld als auch in einem weiten Beziehungsgeflecht etablierten und etablieren. Sie gehen von der Annahme aus, dass die Spannung von Lokalem und Globalem Prozesse historischen Wandels anstösst. Diese zeigen sich im Transfer von Personen (freiwillige und unfreiwillige Migrationen), von Gütern, von Informationen, von Techniken, von Ideen, von Erlösungserwartungen und von Wissensordnungen. Anziehung und Abstossung regen diese Transfers an und stellen für die Akteurinnen und Akteure dieser Prozesse Herausforderungen dar. Insofern können sie Innovationen anstossen, aber auch Sinnkrisen und Abwehrreaktionen hervorrufen. In unterschiedlich eng bzw. weit geknüpften und ausgedehnten sozialen Handlungsräumen werden Fäden gezogen, die das jeweils Lokale mit einem anderen Lokalen verbinden. In der Summe ihrer Überschneidungen manifestiert sich «Globalisierung» – so zumindest die spätestens seit den 1990er Jahren fest etablierte Begrifflichkeit.
Es war nicht zuletzt die intensive Debatte über «Globalisierung», die in den Geschichtswissenschaften dazu geführt hat, einerseits diesen Prozess zunehmender wirtschaftlicher und kultureller Verflechtung zu historisieren und andererseits generell eine globale Perspektive in der Forschung zu verfolgen. Global- und Weltgeschichte liegen seither im Trend und gehören zu den am schnellsten wachsenden Bereichen historischer Forschung. Weiträumige Migrationsströme, zunehmende Mobilität, aber auch die Beendigung des Kalten Krieges haben die Beschäftigung mit weltweiten Prozessen, Entwicklungen, Verbindungen und Einflüssen gefördert.
Jüngste politische Entwicklungen weisen Verwandtschaften auf zu anderen grenzüberschreitenden Ereignissen in der Geschichte, sie haben die Diskussion über Konzepte wie (Menschen-)Rechte und ihre globalen und lokalen Aneignungen erneut angestossen und das Interesse an den Wegen und Mechanismen von Übertragungsprozessen und Synchronizität auf neue Weise geweckt. Lokale ökologische oder technische Katastrophen haben globale Auswirkungen oder aber es manifestieren sich globale Entwicklungen lokal. Zudem verdeutlichen heute ökonomische Entwicklungen und Ereignisse die Abhängigkeiten lokaler Märkte und politischer Strukturen von einem globalisierten Kapitalismus, was dazu auffordert, die Geschichte dieser Entwicklung, ihrer Konjunkturen und Phasen darzustellen und dabei auch insbesondere die Gegenläufigkeiten, Unterbrüche und Tendenzen der (Rück-)Besinnung auf Lokales einzubeziehen. Die Begriffe «global» und «lokal» bezeichnen nicht allein unterschiedlich weit ausgedehnte Handlungsräume, sondern auch historische Entwicklungsrichtungen, die zu zunehmend globalisierten Kontaktverbindungen führen und als deren Endpunkt gegenwärtig die erwartete, ersehnte oder auch befürchtete «Weltgesellschaft» gesehen wird.
Das Spannungsfeld «global – lokal» soll an den Geschichtstagen 2013 für verschiedene Epochen, Räume, Felder und Konzepte der Geschichtswissenschaften perspektiviert werden. In methodischer Hinsicht soll die Tagung nach Potentialen, Herausforderungen und Schwierigkeiten der Globalgeschichte fragen und auch Raum bieten für die Reflexion der eigenen Disziplin und der historischen Scientific Community in einer vernetzten Welt.
Epochen, Räume, Handlungsfelder
In jeweils unterschiedlichen Epochen und in unterschiedlichen Räumen streben Menschen danach, lokale Beschränkungen zu durchbrechen und umgekehrt die Autonomie des Lokalen zu verteidigen. Kooperationen und Oppositionen stehen in einer Wechselwirkung, sie setzen Menschen in neue Beziehungen, definieren neue Handlungsfelder, eröffnen bisweilen neue Handlungschancen. Historische AkteurInnen sind dadurch herausgefordert, immer neue, auch komplexe und weiträumige Strukturen zu gestalten. Solche Prozesse des Austausches und der Vernetzung über lokale, regionale und kulturelle Grenzen hinweg, lassen sich weit in die Geschichte zurückverfolgen. Die Geschichtstage 2013 wollen entsprechenden Fallstudien ein Forum sein. Gleichzeitig wollen sie die als «Globalisierung» bezeichnete Verdichtung von Austausch und Vernetzung, die Entstehung von globalen Zusammenhängen und universal intendierten Handlungsfeldern und Wertegemeinschaften – seien sie wirtschaftlich, religiös, politisch oder technisch bestimmt – in den Blick rücken. Während dieser Prozess in der historischen Forschung mehrheitlich mit dem Beginn des Kolonialismus im 16. Jahrhundert in Zusammenhang gebracht wird und weitere Hochphasen im späten 18. Jahrhundert, zu Beginn und ab der Mitte des 20. Jahrhunderts festgemacht werden, gilt es zugleich, die Problematisierung des Konzeptes für frühere Epochen der Geschichte zu diskutieren – etwa an Hand des Begriffs der «archaischen Globalisierung» (C. A. Bayly).
In Globalisierungsprozessen äusserte und äussert sich das Lokale wiederum in unterschiedlicher Form. Ziel der Dritten Schweizerischen Geschichtstage ist es, die Verschränkung lokaler und globaler Handlungsräume, die Entstehung unterschiedlich gestalteter Milieus und ihre Relationen zu einander zu untersuchen. Es interessieren lokale Manifestationen globaler Prozesse, die Wiederkehr des Lokalen auf unterschiedlichen Terrains, die Infragestellung global weithin anerkannter Narrative aus der Perspektive des Lokalen, Geschichten von «Glokalisierung» sowie die Frage, ob Globalisierung und das Bestreben nach kultureller Eigenständigkeit immer Hand in Hand gehen (Arif Dirlik). Zentral wird weiterhin die Diskussion der Wahrnehmung, der Überwindung und der Nivellierung, aber auch des Aufbaus von Differenz sein – Differenz in Sprache, Religion, in wirtschaftlicher Produktion, in politischer Organisation, in ethischer Wertefundierung. Konfliktbereitschaften kollidieren mit Kooperationsangeboten. Die Beziehungen von Mehrheiten und Minderheiten sind zu behandeln, ebenso die lokalen Auswirkungen übergeordneter Gesellschaftsmodelle und Rechtsgrundlagen, die Tendenzen zur grossräumigen Bündelung von lokal geprägten Handlungsoptionen sowie Traditionsbildungen, welche wahrgenommene Verschiedenheiten im Lokalen zu überspielen oder gar zu überhöhen suchen.
Aus schweizerischer Perspektive soll hier ebenfalls das föderalistische Modell berücksichtig werden, das nun zunehmend in der kulturpolitischen Debatte insbesondere durch die Bildung von neuen «Weltregionen» eine neue Dimension gewonnen hat. Diese stösst selbst in den traditionellen zentralistischen Ländern auf eine grössere Akzeptanz und führt zur Bildung neuer politischer Wahrnehmungsmuster und Strategien, die noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen wären (Olivier Beaud, Edgar Morin). Das Handeln der AkteurInnen in den verschiedenen global-lokalen Konstellationen soll dabei selber Untersuchungsgegenstand sein, ebenso wie Identitäten und Identitätspolitik oder neue Tendenzen einer Politik der Zugehörigkeit, des «Belongings» (Peter Geschiere).
Historiographiegeschichte, Eurozentrismus, Multiperspektivität
Geschichtsschreibung, die sich auf die gesamte (bekannte) Welt bezieht, ist kein Novum. Was allerdings als «Welt» gesehen wurde, ist dabei nicht gleich geblieben. Seit dem Beginn der Historiographie (Herodot, Polybios in der Antike), den mittelalterlichen Reiseberichten, der «Entdeckung der neuen Welt» und der Zeit der europäischen Expansion (Ramusio, Hakluyt und De Bry) wurde die Welt aus der Perspektive der Verfasser dargestellt. Die «Universalgeschichte» der Aufklärung sah Geschichte als Prozess, dessen Ziel Verbesserung und Fortschritt der Gesellschaft war. Europa war das unbestrittene Zentrum – diese Strukturprinzipien lassen sich bis in die Modernisierungstheorien der 1960er Jahre verfolgen (Hanna Schissler). Die Geschichtstage 2013 interessieren sich auch für diese Geschichte der Weltgeschichtsschreibung, inklusive der Konzeptualisierung lokaler Besonderheiten und der Phasen von Vernachlässigung globaler Zusammenhänge. Ein besonderes Augenmerk gilt der De-zentrierung der europäischen Sichtweise, dies über die Historisierung des Eurozentrismus in der Weltgeschichtsschreibung wie auch über den Einbezug nicht westlicher Perspektiven auf die Weltgeschichte. Neuere Konzepte, neben der Globalgeschichte auch Weltgeschichte, «Géohistoire» (Christian Grataloup), «connected history», transnationale oder transkulturelle Geschichte, sollen theoretisch reflektiert und empirisch exemplifiziert werden. Gerade unterschiedliche Herangehensweisen und Fallstudien führen zu einem multiperspektivischen Blick auf global-lokale Zusammenhänge.
Untersuchungsfelder und Ansätze
Das Spannungsfeld «global – lokal» bietet sich für Untersuchungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln an: der Geschichte von Demographie, von Wirtschaft, von Technik, von Kirche und Religion, von Sprache, von Kultur, von Politik, von Medien, von Recht, von Ideen, von Wissen und Wissenschaft. Dabei können sowohl kulturgeschichtliche wie politikgeschichtliche, geschlechtergeschichtliche, diskursgeschichtliche und sozialgeschichtliche Ansätze verfolgt werden.
Es lohnt sich, die Spannung von «global – lokal» auch als Thema der Geschichtswissenschaft selbst zu berücksichtigen. Die methodischen Probleme, die durch unterschiedliche Terminologien der Wissenschaftssprachen und durch kulturell unterschiedliche Methoden der Geschichtswissenschaft bedingt sind, regen zu kritischer Reflexion an. Grundsätzlich stellt sich auch die Frage, inwiefern die Beschäftigung mit dem Spannungsverhältnis von «global – lokal» zu einer Methodenreflexion führt. Können Begriffe wie Politik, Diskurs, Gesellschaft und viele andere mehr auf diese Fragestellung übertragen und dort angewandt werden oder müssen sie womöglich selbst neu konzipiert werden? Durch die Verbreitung des Internets wurde die Bildung von Netzwerken und globalen wissenschaftlichen Foren erleichtert und der Austausch unter Historikerinnen und Historikern vereinfacht, obwohl Fragen von Ausschluss oder Zugang zu wissenschaftlichen Ressourcen fortbestehen. Neben dem virtuellen Austausch haben die verbesserten Verkehrsverbindungen den persönlichen Austausch von Forschungsergebnissen verstärkt und zur Internationalisierung der Geschichtswissenschaft beigetragen, was wiederum den Blick auf lokale historische Entwicklungen und ihre Bedeutung verändert hat.
Für die Schweiz ist das Thema aufgrund der historischen und der gegenwärtigen Verflechtungen von zentraler Bedeutung. Die Stadt Freiburg / Fribourg und insbesondere das Departement für Historische Wissenschaften bieten durch eine lange Tradition der Verschiedenheit von Sprachen und Kulturen – die ja durchaus auch imaginierte Tradition sein kann – und die Bereitschaft, sie durch Kooperation zu überwinden, ein inspirierendes Umfeld.
Reporting, videos und interviews

Unser Partner infoclio.ch bietet eine Seite zu den Dritten Schweizerischen Geschichtstagen an, auf der die Aufzeichnungen der Eröffnungsfeier und der Keynotes, Interviews sowie Berichte einiger Panels zu finden sind.
Presseschau
Sponsors, Förderer und Partner der Dritten SGT
- Universität Freiburg
- Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)
- Schweizerische Nationalfonds (SNF)
- Paul Schiller Stiftung
- Stiftung Mercator Schweiz
- Schwabe
- Aebli Naef Stiftung
Tagungsorganisation
Die Dritten Schweizerischen Geschichtstage wurden organisiert von der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte (SGG) und dem Departement für Historischen Wissenschaften der Universität Freiburg.
Gruppe «Geschichtstage» des Departementes für Historische Wissenschaften der Universität Freiburg
- Prof. tit. Dr. Catherine Bosshart-Pfluger (Leitung)
- Prof. Dr. Gilbert Casasus
- Prof. tit. Dr. Thomas Lau
- Prof. Dr. Regula Schmid-Keeling
- Prof. Dr. Hans-Joachim Schmidt
- Prof. Dr. Anne-Françoise Praz
Mitglieder im Gesellschaftsrats-Ausschuss und Generalsekretariat der SGG
- Prof. Dr. Regina Wecker, Präsidentin
- Prof. Dr. Janick Marina Schaufelbuehl, Vizepräsidentin
- Dr. Sacha Zala, Vizepräsident
- Lukas Wenger, Quästor
- lic.phil. Peppina Beeli, Generalsekretärin
- stud. phil. Stefanie Kohler, Assistentin
Tagungsbüro
- Dr. des. Ilaria Macconi Heckner, Koordinatorin
- stud. iur. Constantin Streiter, Hilfsassistent





















