sgg_logo   Briefwechsel Maurus Meyer von Schauensee
890606
SCHUMACHER A MAURUS

Lucerne le 6 juin 1789

Lieber Freünd!
Was werde ich dir sagen? Dass ich dein Freünd bin; es ewig zu seyn wünsche: dass ich dir so viel Glück wünsche, als ich mir immer für mich selbst von dem Himmel bis itz umsonst wünschte. Doch weg für itz auch mit den wärmsten den ächtesten Freündschafts Versicherungen.Thatig müssen Freünde gegen ein ander seyn, und nicht mit weibischem Geplauder die Zeit hinstreichen lassen, da sie indessen mit männlicher Thätigkeit einer für den anderen sorgen sollten. Also zur Sache. Eben gesteren habe ich vernohmen /: welches dir gewiss schon bekannt seyn muss :/ dass Herr Haubtmann Commandant von Sonnenberg eine eigene Compagnie nemlich die des Herrn Gügis erhalten habe. Schnell machte ich mich auf das dir gethanene Versprechen heilig zu erfühlen. Ich eilte zu Junker Obrist Lieut[n]ant Göldlin, dich nach allen meinen Kräften zu entpfehlen. Ich that noch mehr ich bath Ihn in deinem Nahmen durch die Freündschaft die unser Haus stätts mit dem seinigen verband, dass er doch mir die Gnade thun möchte, dir meinem besten Freünd, seine erledigte Comendanten Stelle zu übertragen. Allein die Antworth ware; dass ich mich seines Ausdrucks bediene; dass Hemd wäre dem Leib näher als der Rock. Er hätte zwahr alle Achtung, Freündschaft und Zuneignung zu dir; die Umstände wären aber für itz so beschaffen, dass er deinem Verlangen ohnmöglich enntsprechen könnte. Er stellte mir lebhaft vor die Freündschaft welche er seit langen Jahren mit Herrn Marechal Göldlin gepflogen hätte, die viele Verbindlichkeiten welche er ihm schuldig wäre, endlich die Geschlächts Anverwandschaft. Er vergass auch nicht hinzu zu setzen, dass der junge Herr Göldlin die Dispensation der nicht hinlänglichen Dienst Jahren entweder schon erhalten habe, oder doch gewiss erhalten werde. Er ersicherte mich aber dass es ihm sehr leid wäre, dass er dir nicht dienen könnte, dass er dich jedem anderen jungen Officier deiner eigenen Verdiensten halben vorziehen würde, es dir auch we[r]ckthätig beweisen würde, wenn ihm hierinfahls die Hände nicht gebunden wären. Er hat mich aber versicheret, dass er Junker Göldlin das Worth noch nicht gegeben hätte; es auch nicht eher geben würde, als biss der neüen Herren Haubtlaüten Brevets angelangt wären, welches noch etwas Zeits anstehen dürfte. Von deinen Heüraths Gedanken habe ich kein Worth gemeldet, weil du mir das Stillschweigen auferleget hast, und nicht wusste ob du dich anders mochtest besonnen, oder deines Herrn Vatters Einwilligung erhalten haben. Kurz die Sache schien mir zu wichtig und zu kizlicht, dass ich sie ohne genugsame Vollmacht, und ohne hinlängliche Einsicht hätte behandeln wollen. Bedenke wohl was du hierinfahls zu thun habest: biss itz habe ich gethan was ich als Freünd thun konnte. Bist du noch so gesinnet wie du mir von Basel schribest, so magst du dem Herrn Oberstleütinamt selbst den Antrag machen, und dich schriftlich oder durch deinen Herrn Vatter um die Commendanten Stelle, und seine Tochter bewerben. Zeit ist keine zu verliehren: so bald du den Brief erhalten wirst, must du so bald möglich zur Sache thun.
Noch eines Junker Haubtman Comendant Schwytzer von der Compagnie Louis Reding hat eine Grenadier Compagnie erhalten, also [ist] eine zweite Commendanten Stelle ledig. Wie wenn du dich um diese bewürbest? Mann sagt Herr Marechal von Sonnenberg werde sie vergeben; wenn das wäre könnte Madame Schmid wohl für dich ein gut Worth einlegen. Es ist nur ein Rath, oder besser eine freündschaftliche Nachricht. Thue was du gut findest. Mir ist recht herzlich leid dass mein freündschaftliches zwahr kleines Bemühen nicht besser für dich ausgefallen ist. Ich that was ich konnte und habe das Gesetz der Freündschaft erfüllet. Für deinen letzten Brief danke ich dir; er hat mir vieles zu denken gegeben, und mich für dich in grosse Sorge gesetzt. Melde mir bald wie dirs im letzten Aufstande gegangen ist, auch wenn die Herren Semestriers anlangen werden. Ich glaubte heüt noch diesen Brief abzugeben, allein die Post verreiset erst künftigen Mitwochen. Lebe wohl und zöhrne nicht auf mich, weil ich dir eine nicht erwünschte Nachricht zu schreiben mich gezwungen sehe. Lebe wohl mein werther Freünd lebe ewig wohl und höre nicht auf ein Freünd dessen zu seyn, der ohne Lüge zu sagen sich nennen darf
dein redlichster und
ergebnister Freünd etc S

NB Junker Oberstlieutenant Göldlin hat mir den Auftrag gemacht auf dein Verlangen die Antworth zu schreiben wie ichs gethan habe: welches ich zwahr ohne Befehl würde gethan haben.

A / Monsieur / Monsieur Meyer de Schau= / ensée Officier du Régiment / des Gardes Suisses en / Caserne / A / Courbevoie / Près Paris / par Bâle.


890606.SCH-M.(AN:T1534/257 [b])(5.8.93).(CO.1)