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Briefwechsel Maurus Meyer von Schauensee |
890520 ZIMMERMANN A MAURUS
[Luzern 20. Mai 1789]
Mein herzenslieber Junker Lieutenant!
Wegen Kürze der Zeit bis zum Abgang der Post, kan ich nicht anders, als
nur sehr kurz sein. Nur Neuigkeiten - Den 7ten Mai ist Frau Tante Statthalterin
Schumacher nach einer kurzen Krankheit wohlgetrost dem Herrn zu. Drey
Geschwisterte in einem halben Jahr will viel sagen. -
Ein anders - - Die
Dieben vom Herrn Probsten sind entdekt. Herrn Doctor Mengis [?] zweyter
Sohn, die Bedienten von Herrn Comissari Keller, von Chorherr Gloggner, von
unserm Nachbar Junker Hauptmann Schwytzer sind die Thätter gewesen.
Alle v[i]ere haben sich den 13ten dieses aus dem Staub gemacht, und
sind ungeachtet der nachgeschikten Stekbriefe bis dahin nicht eingeholt worden.
Die Tochter von Herrn Doctor Mengis soll eine gestohlene Uhr getragen
haben, das war der erste Schritt zur Entdekung. Der zweyte war, dass die Kerls
ihre Rükgabe an Herrn Probsten dem Herrn Chorherrn Gloggner vertrauten, der
dann sich zu Junker [?] Rüttimann wandte, und die Rükgabe
meistens an Gülten machen wollte. Hätt sich Herr Doctor Esel an Herrn
Probsten gewendet, würd die ganze Sache gläublich gedekt geblieben
sein. Doctor Mengis Tochter ist entehrt, hat sich mit Gloggners Bedienten
daraus machen wollen; der Sohn flüchtig als ein Dieb - könnte ein
ehrlicher Vater unglüklicher in seinen Kindern sein?
Frau
Hertenstein hat auch bis izt noch kein Antwort von Herrn Commandeur
erhalten. Man vermuthet aber, dass Herr Commandeur nach etwas Zeit nach
Hohenrain kommen werde - Folgt dann keine befriedigende Antwort, so ist
meine Hofnung ein Spuk. Herr Dürler hat alle Hofnung auf Hochdorf,
und würd, auch im Fall Dättwil ledig haben sollte, dieses
leztere nicht annehmen, weil er glaubt, das erstere werd ihm nicht fehlen. Mir
sagt aber Herr Custos zu Münster, dass Hochdorf Dürlern nie zu
kommen werde - Wie ist hier zu helfen? Ohne weiters wenig Hofnung - Junker Vater
und Frau Mamma machen Ihre Grüsse, mit Vermelden des richtigen Empfangs
Ihres lezten Briefes. Auch mich freut es, dass Sie bey dem fürchterlichen
Aufstand in Paris nicht verstümmelt worden sind. Aufrichtig, ich kenne Ihr
gutes Herz, und Ihr Bestreben auch mich glüklich zu wissen, also auch aus
Eigenliebe müsste ich Ihnen gut sein. Sie sind aber mir nicht aus
Eigenliebe gut, und wünschen mein Glük. So wünsch ich dan Ihnen
auch recht von ganzem Herzen recht glüklich zu sein.
Ihr aufrichtigster und dankschuldigster Zimmermann
Luzern 20ten Mai 1789
A Monsieur / Monsieur Meyer de /
Schauensée officier / aux Gardes suisses / A Courbevoie / pres de
Paris.
890520.ZIM-M.(AN:T1534/258)(1.11.93).(CO.1)