sgg_logo   Briefwechsel Maurus Meyer von Schauensee
890330
SCHUMACHER à MARUS

Luzern [,] den 30[.] Merz 1789

Lieber Freund!
Du hast mir viele Freude gemacht, dass du mir so bald wi[e]der etwas von dir hören liessest: und zwahr solche Dinge, an denen ich den währmsten Antheil nehme. Ich mag dir zwahr nachlässig scheinen, dass ich dir nicht alsogleich eine Antworth zugeschicket habe. In dem Augenblick als ich deinen Brief von Basel erhielt, setzte ich mich hin, dir zu schreiben, allein als ich die Antworth überlas, fand ich so viele Spuhren trauriger Ausschweiffungen, dass ich einmahl den Brief nicht an dich abgeben durfte, der Both gienge ab, und ich musste die Antworth auf acht Tage verschieben. Doch zur Sache. Von dem [,] was wir mit ein ander redeten, ehe wir uns verliessen, wollen wir für itz im Stillschweigen vorübergehen. Du bist verliebt; und wie mehr man von dergleichen Sachen redet, wie erhizter das Gehirn davon wird. Sollen deine Hoffnungen [,] deine Wünsche sich erfühlen, siehst du nichts als rosefarbene Tage dir entgegenlächeln. Möchtest du dich ja nicht betrügen, möchtest du mir nach zehen Jahren sagen können, dass du in deiner Gattin Armen das Glück gefunden habest, welches du dir itz davon versprichst. Ueberlege wohl [,] was du thun sollest, damit du nicht zu spät einen Schritt bereuest; denn du nicht wi[e]der zu rück nehmen kannst. Nur zu sehr fühle ich, wie sehr man sich hierin betrügen kann, als dass ich dir hierin einen Rath zu geben mich unterstehen sollte. Wirst du [über] der Sache aber reif nachgedacht haben, und du noch dein Glück und deine Zufri[e]denheit, in einem Weib, und einer Compagnie zu finden glaubest, so seye überzeuget [,] dass ich alles, was von mir abhangen kann, für dich thun, und deinen Wink und Befehl erwarthen werde. Wenn du mir wi[e]der schreibest, rede mit mir die Sprache des Herzens und der Freundschaft. Wir sind ja darum Freunde, dass wir uns mit ein ander freuen, und mit ein ander trauren. Sage mir dann [,] wie ist deine Reise abgelaufen? Wie stehts mit deiner Gesundheit? Wie gefäl[l]ts dir wi[e]der zu Paris? Mir gehts eben so wie zur Zeit [,] als du mich verliessest. Gesund bin ich; aber fast möchte es scheinen, dass der Himmel sich verschwohren hätte [,] mich mit einer Kette von Drangsahlen zu verfolgen. Meine Mut[t]er ist gefährlich krank: und meine Gattin ist durch die Abreise ihres Bruders so sehr betroffen, dass ich für Sie und ihr Kind aüsserst besorgt bin. Ob in meinem Leben je ein glücklicherer Stern mir leuchten werde, weiss ich nicht: sonst heisst es nach Regen Sonnenschein. Die Hofnung einer glücklicheren Zukunft muss einzig mein Trost seyn, und bleiben [,] bis ich nimmer bin. Doch [,] mein Freund [,] w[as] klage ich [,] wo Menschen Herzen härter als Diamant [sind,] der Tod allein macht allem Leiden ein End, de[r] soll meine Hoffnung und mein Trost seyn. Lebe wohl [,] werther Freund; vergiss mich nicht [,] weil ich unglücklich bin. Möchtest du so glücklich werden, als ich unglücklich bin. Um das bittet dich und das wünschet dir von Grund seiner Seele

dein alter redlicher
Freund Schumacher


Je te prie de presenter bien de mes respects à Mr le capitaine Pfyffer, et de lui dire combien que je suis charmé de le revoir bientot dans sa patrie.

À Monsieur / Monsieur Meyer de Schau= / =ensée Officier au Regiment de Gardes Suisses en Casernne / À / Courbevoie / Près Paris / Par Basle


Original, inédit: AN T 1534 / s. No.
Une feuille filigranée de H. Blum légèrement déchirée.
(L) 390/387 x (H) 243/242/243.
Cachet rouge.
890330.SCH-M.(AN: T 1534/ s.No./ I, 137-140).(20.9.96).(CO.1)