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Markus Feldmann: Tagebuch 1923-1958
Quellen zur Schweizergeschichte, Neue Folge, III. Abteilung: Briefe und Denkwürdigkeiten, Band XIII, hg. von der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte (SGG)


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Informationen zur Edition von Dr. Peter Moser (Bearbeiter):

Die Edition
Mehr als 40 Jahre nach Markus Feldmanns Tod liegt das von ihm während fast 4 Jahrzehnten geführte Tagebuch nun gedruckt vor. Die von der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte (SGG) als Band XIII in der Reihe Quellen zur Schweizergeschichte, Neue Folge, III. Abteilung, Briefe und Denkwürdigkeiten herausgegebene Edition besteht aus 6 Einzel-Bänden: XIII/1 bis XIII/5 umfassen die Tagebucheinträge Feldmanns von 1923 bis 1958 und Band XIII/6 enthält eine ausführliche Einleitung zur Gesamtedition und ein Personen- und Sachregister für den gesamten Zeitraum sowie das von Bundesrat Max Petitpierre als «Antwort» auf das Tagebuch Feldmann geschriebene Memorandum. Die Tagebucheinträge, die Feldmann schon als Gymnasiast und Student von 1915-1919 gemacht hatte, wurden nicht gedruckt, sondern werden zusammen mit den Aufzeichnungen von 1923 bis 1958 sowie dem Einleitungs- und Registerband auf einer CD-ROM zugänglich gemacht.

Dass diese einmalige Quelle zur Schweizergeschichte des 20. Jahrhunderts von der Geschichtsschreibung bisher noch kaum oder nur sehr selektiv benutzt worden ist, hängt auch mit der von einem Teil der Behörden bis in die 1990er Jahre betriebenen Einsichtsverweigerung für einen Teil der Aufzeichnungen zusammen. Hans Feldmann, der das Tagebuch seines Vaters nach dessen Tod im Bundesarchiv deponiert hatte und sich jahrzehntelang (erfolglos) für einen Zugang der Forschung zum Nachlass seines Vaters eingesetzt hat, übertrug 1994 die Rechte zur Publikation des Tagebuchs der Allgemeinen Geschichtforschenden Gesellschaft der Schweiz (AGGS). Beatrix Mesmer, die damalige Präsidentin, liess in der Folge abklären, ob eine Edition des Tagebuchs überhaupt sinnvoll sei und mit einem vernünftigen Aufwand machbar wäre. Nach der Erarbeitung einer Vorstudie beschloss die AGGS 1995, das Tagebuch von 1923-1958 in einer Leseedition integral zu veröffentlichen. Durchgeführt werden konnte dieses Editionsprojekt von 1997-2000 dann dank der finanziellen Unterstützung durch den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und das Schweizerische Bundesarchiv, das die notwendige Infrastruktur zur Verfügung stellte und das Projekt kritisch begleitete. Die speditive Publikation aller 6 Bände und der CD-ROM in den Jahren 2001/2002 wurde durch Beiträge des Nationalfonds, der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften, des Kantons Bern sowie Privaten ermöglicht. Das Projekt ist im Rahmen des budgetierten Aufwands und innerhalb der geplanten Zeit realisiert worden. Mitarbeiter waren Roger Sidler, Marc Badertscher, Andreas Schwab und Urs Hafner sowie zahlreiche studentische Hilfskräfte.

Mit der integralen Publikation haben wir die Absicht verfolgt, der Tendenz zur Reduktion der Tagebuchaufzeichnungen auf den Status einer brisanten Chronik entgegenzuwirken. Das Hauptziel der Edition ist es, den historiographischen Wert der Aufzeichnungen sichtbar zu machen und Bedingungen zu schaffen, die eine intensive Nutzung derselben und damit eine sorgfältige Hinterfragung bestehender Deutungen möglich machen. Denn nicht der einzelne Eintrag - und mag er noch so spektakulär sein - macht den Wert des Tagebuchs Feldmann aus, sondern die Kontinuität der Eintragungen, die den Prozess der Herausbildung inhaltlicher Positionen erst nachvollziehbar macht.


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Markus Feldmann
Der Journalist Markus Feldmann (1897-1958) hat als Chefredaktor der Neuen Berner Zeitung (dem Parteiorgan der damaligen bernischen Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei), als Präsident des Vereins der Schweizer Presse sowie als National-, Regierungs- und Bundesrat einen entscheidenden Beitrag zum schweizerischen Presserecht und zur Herausbildung der Konkordanzdemokratie geleistet. Seine Tätigkeit als Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements im Bundesrat (1952-1958) war zudem wesentlich geprägt von dem schon in seiner Jugend entwickelten aussen- und sicherheitspolitischen Interesse.
Feldmanns rastlose Tätigkeit widerspiegelt sich zu einem grossen Teil in seinem bis unmittelbar vor seinem Tod im Amt geführten Tagebuch. Dieses dokumentiert zudem wie kaum eine andere Quelle den Prozess der Herausbildung inhaltlicher Positionen von Politikern und ihren Organisationen, von denen wir sonst in der Regel nur wechselnde Statements und Forderungen kennen.

Dass Feldmann trotz seiner erfolgreichen politisch-journalistischen Karriere von der parteipolitischen Verankerung her eher quer zu den die politischen Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit dominierenden freisinnige 1000 n, katholisch-konservativen und sozialdemokratischen Milieus stand, hat sich für die Geschichtsschreibung eher vorteilhaft ausgewirkt. Denn die zeitlebens relativ randständige Position Feldmanns hat seine Wahrnehmung der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen wohl ebenso geschärft wie der Umstand, dass er als Städter in einer eher ländlich dominierten Partei Karriere machte. Vieles, was andern Insidern des Politestablishments selbstverständlich erschien, nahm Feldmann als erklärungsbedürftig wahr und stufte es daher auch als aufzeichnungswürdig ein.

Das Tagebuch dokumentiert aber nicht nur den beruflich-politischen Werdegang Markus Feldmanns, sondern auch die Milieus, in denen er sich meistens bewegte. Presseleute, Politiker und Juristen dominierten sein Umfeld. Wirtschaftsvertreter hingegen gehörten nicht zu seinen Vertrauten. Bemerkenswert ist zudem die Tatsache, dass weniger als 3 Prozent aller im Tagebuch erwähnten Personen Frauen sind, obgleich sich Feldmann aktiv für die politische Gleichberechtigung der Geschlechter eingesetzt hat.

Für Feldmann selbst war das Tagebuchführen in erster Linie eine Art «Methode» zur Bewältigung des Alltags. In Zeiten politisch-beruflicher Schwierigkeiten hat er den Rhythmus der Aufzeichnungen verstärkt. So schuf seine Praxis des Tagebuchschreibens die Voraussetzungen zur Selbstreflexion. Der Umstand, dass er in der langen Karriere trotz seiner Sozialisation nicht am rechten Rand des politischen Spektrums stehen blieb, macht sein Tagebuch für die innen- und aussenpolitische Entwicklung der Schweiz zwischen 1933 und 1958 besonders interessant. Es illustriert nicht nur die Herausbildung des Konkordanzsystems auf bernischer und schweizerischer Ebene in der Zwischenkriegszeit, sondern thematisiert auch die innenpolitischen Spannungen im Zweiten Weltkrieg und die Diskussionen innerhalb der Landesregierung in den 1950er Jahren.

Ohne sein Tagebuchschreiben ist Markus Feldmanns konkreter Werdegang kaum vorstellbar. Neben der Ordnung, die er mit den Aufzeichnungen in sein Leben brachte, war das Tagebuch für ihn auch ein «vertraulicher Zuhörer». Viele der von Feldmann als zutiefst ungerecht empfundenen Begebenheiten im politisch-journalistischen Bereich, die er aus Gründen der Staatsraison oder der parteipolitischen und persönlichen Rücksichtnahme nicht öffentlich bekannt machen wollte, hat er gewissermassen kompensatorisch im Tagebuch thematisiert - manchmal sogar in der expliziten Hoffnung, dass «die Wahrheit» in dieser oder jener Sache «doch noch einmal an den Tag» kommen werde. Dass in den 1970er Jahren ausgerechnet auch sein Tagebuch zu einem Teil der von den Behörden «gebändigten» Historie wurde, gehört zur Ironie der Geschichte. Ein Umstand, den Feldmann, wäre er noch am Leben gewesen, sicher mit kompromissloser Deutlichkeit kommentiert hätte - jedenfalls im Tagebuch.

Peter Moser, Projektleiter


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Bibliographische Angaben
Markus Feldmann, Tagebuch 1923-1958, bearb. von Peter Moser, hg. von der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte, 6 Bände und CD-ROM, Basel 2001/02


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Preise
5 Textbände (je 600-700 Seiten) einzeln Fr. 150.-
6 Bände Fr. 860.-,
inkl. CD-ROM Fr. 920.- Einleitungs- und Registerband mit CD-ROM Fr. 450.-
25% Rabatt für Mitglieder der SGG.



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